‚Give Me A Hug‘: Ein feinherber Rotwein, den man guten Gewissens ausschenkt

Es gibt eine Lücke in der Gastronomie, über die selten jemand spricht: den halbtrockenen Rotwein. Viele Gäste mögen ihn – fruchtig, weich, ohne kantiges Tannin. Nur ist das, was dafür im Großmarkt bereitsteht, oft schwer erträglich: Ein-Liter-Flasche, Schraubverschluss, anonymer Merlot aus dem Tank. Wer ihn ausschenkt, tut es aus Mangel an Alternativen, nicht aus Überzeugung.

Genau nach dieser Alternative habe ich für einen Gastro-Kunden gesucht. Gefunden habe ich sie in Baden.

Eine Begegnung auf Langeoog

Kennengelernt habe ich die Familie Hug im Korkenzieher auf Langeoog – die Insel ist für sie seit vielen Jahren immer wieder Urlaubsziel. Dass man ausgerechnet an der Nordsee ein badisches Weingut trifft, das die Lösung für ein Problem im eigenen Sortiment hat, gehört zu den schönen Zufällen dieser Branche.

Das Weingut Hug

Das Weingut Hug liegt in Pfaffenweiler bei Freiburg im Breisgau. Die Zahlen, die man dort auf der Website findet, sind bemerkenswert konkret – und genau deshalb glaubwürdig:

  • über 25 Jahre ökologischer Weinbau
  • energiepositiv seit 2007 – es wird mehr Strom erzeugt als verbraucht
  • 100 % Handlese, im Weinberg wie im Keller
  • Holzpfähle statt Stahl in der Rebanlage
  • Sekt ohne Plastik und ohne Aluminium
  • Pflanzenschutz komplett ohne chemisch-synthetische Mittel
  • artenreiche Begrünung, humusreicher Boden, Karton-Kreislauf

Das ist keine Nachhaltigkeits-Prosa, sondern eine Liste überprüfbarer Entscheidungen. Der Ausbau im Keller folgt derselben Logik: minimalinvasiv, so wenig pumpen wie möglich, viel Ruhe für die natürliche Reifung.

‚Give Me A Hug‘ – der Rotwein

Der Name ist ein Wortspiel mit dem Familiennamen: Hug heißt auf Englisch Umarmung. Und der Wein löst das Versprechen ein.

Der Give Me A Hug Rotweincuvée feinherb zeigt in der Nase rote Beeren und Erdbeere, am Gaumen Frucht, eine dezente Säure und feine Restsüße – harmonisch und unkompliziert. „Easy Drinking“ trifft es genau, ohne dass der Wein beliebig wäre.

Der Unterschied zum Großmarkt-Merlot liegt nicht nur im Geschmack: Bio-zertifiziert (DE-ÖKO-039), handgelesen, vegan, in der 0,75-Liter-Flasche – zu einem Preis, der für die Gastronomie funktioniert. Er passt zu Burger, Schnitzel, Leberkäse und Pasta, vegetarisch auch zu Knoblauchbrot, gegrilltem Gemüse oder Reisgerichten.

PIWI – und warum das gerade jetzt interessant ist

Der Wein ist eine Cuvée aus neuen robusten Rebsorten, sogenannten PIWIs – pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen. Sie brauchen deutlich weniger Pflanzenschutz als klassische Sorten, weil sie gegen Mehltau von Natur aus widerstandsfähiger sind.

Das ist mehr als ein ökologisches Argument. Wer verfolgt, wie sehr der Weinbau derzeit mit Krankheiten zu kämpfen hat – wir haben über die Goldgelbe Vergilbung in Südtirol geschrieben –, versteht, warum robuste Sorten zunehmend Thema sind. Sie sind keine Lösung für alles, aber ein ernstzunehmender Baustein.

‚Free Hug‘ – alkoholfrei, und zwar richtig

Der zweite Grund, warum ich das Weingut hier erwähne: Die Hugs machen alkoholfreien Wein und Sekt, die ihren Namen verdienen – unter dem Label Free Hug.

Der alkoholfreie Bio-Sekt wird per Vakuumdestillation schonend entalkoholisiert und gehört zu den ersten alkoholfreien Bio-Sekten Europas. Entscheidend ist ein Detail, das die meisten Anbieter verschweigen: der Restzucker. Free Hug liegt bei 20,4 g/l – deutlich unter dem, was am Markt üblich ist. Genau daran scheitern die meisten alkoholfreien Weine: Ohne Alkohol fehlt Körper, also wird gezuckert, und heraus kommt süßer Traubensaft mit Kohlensäure.

Auch den alkoholfreien Wein gibt es – klare Frucht, trockenes Finish, aus eigener ökologischer Erzeugung. Für Gastronomen, die endlich etwas Ordentliches für Autofahrer, Schwangere und bewusste Genießer auf der Karte haben wollen, ist das eine ernsthafte Option.

Warum das hier steht

Wir führen keine badischen Weine – unser Sortiment sind kleine Südtiroler Winzer. Aber ein Familienbetrieb, der seit über 25 Jahren ökologisch arbeitet, alles von Hand liest und dabei Weine macht, die Gäste tatsächlich gerne trinken, verdient eine Erwähnung. Das ist dieselbe Haltung, die wir bei unseren Winzern schätzen – nur in einem anderen Anbaugebiet.

Diese Empfehlung ist unbezahlt.

Häufige Fragen

Was ist ein feinherber Rotwein?

„Feinherb“ ist eine gebräuchliche Bezeichnung für Weine mit etwas Restsüße, die geschmacklich zwischen trocken und halbtrocken liegen. Sie wirken weicher und fruchtiger, ohne süß zu schmecken – in der Gastronomie sehr gefragt.

Was sind PIWI-Rebsorten?

PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten – Neuzüchtungen, die gegen Mehltau widerstandsfähiger sind und daher deutlich weniger Pflanzenschutz benötigen. Der Give Me A Hug Rot ist eine Cuvée aus solchen Sorten.

Wo bekomme ich die Weine vom Weingut Hug?

Direkt über den Online-Shop des Weinguts in Pfaffenweiler bei Freiburg. Wir selbst führen die Weine nicht – unser Schwerpunkt liegt auf Südtirol.

Taugt alkoholfreier Wein überhaupt etwas?

Es kommt auf die Machart an. Entscheidend sind ein guter Grundwein, schonende Entalkoholisierung und wenig zugesetzter Zucker. Der Free Hug liegt mit 20,4 g/l Restzucker deutlich unter dem Marktdurchschnitt – das schmeckt man.

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