Wer in diesen Wochen durch Südtirols Weinberge fährt, entdeckt zwischen dem satten Grün immer wieder auffällig gelb verfärbte Rebstöcke. Dahinter steckt die Goldgelbe Vergilbung – eine Rebkrankheit, die sich weiter ausbreitet und die Südtiroler Weinwirtschaft ernsthaft beschäftigt. Weil uns immer wieder Fragen dazu erreichen, hier eine sachliche Einordnung.
Was die Goldgelbe Vergilbung ist
Der Erreger ist ein Phytoplasma – ein zellwandloses Bakterium, das in den Leitungsbahnen der Rebe lebt. Übertragen wird es nicht über Wind oder Wetter, sondern von einem Insekt: der Amerikanischen Rebzikade. Sie sticht eine infizierte Pflanze an und trägt den Erreger zur nächsten weiter.
Die Symptome sind für geübte Augen gut erkennbar: Die Blätter verfärben sich gelblich oder rötlich und rollen sich am Rand nach unten ein, wodurch sie fast dreieckig wirken. Die Triebe verholzen unvollständig, die Trauben schrumpfen und schmecken bitter – für die Weinbereitung sind sie unbrauchbar.
Warum die Lage ernst ist
Der erste Fall wurde in Südtirol 2016 in Klausen nachgewiesen. Seither hat sich die Krankheit von Süden nach Norden ausgebreitet und ist inzwischen in nahezu allen Weinbaugebieten des Landes angekommen. Besonders anfällig zeigen sich Chardonnay und Ruländer, betroffen sind aber auch rote Sorten wie Lagrein.
Weil es sich um eine Quarantänekrankheit handelt, gilt Melde- und Rodungspflicht: Befallene Stöcke müssen samt Wurzelstock entfernt werden – ein Zurückschneiden genügt nicht. Das klingt radikal, ist aber nach Einschätzung aller Fachstellen die einzige wirksame Maßnahme. Erschwerend kommt hinzu, dass die Infektion mehrere Jahre unbemerkt bleiben kann, bevor Symptome auftreten.
Was das für kleine Weingüter bedeutet
Für Betriebe wie die unseren, die nur wenige Hektar bewirtschaften, ist das eine besondere Belastung. Wer 100 Hektar besitzt, verkraftet den Verlust einzelner Parzellen. Wer drei Hektar hat, verliert mit einem gerodeten Weinberg möglicherweise einen ganzen Wein aus dem Sortiment – und muss anschließend Jahre warten, bis neu gepflanzte Reben überhaupt wieder verwertbare Trauben liefern.
Gleichzeitig sind es gerade die kleinen Betriebe, die ihre Anlagen genau kennen. Wer jede Rebzeile mehrmals im Jahr von Hand durchgeht – so wie bei der Lese –, entdeckt Symptome früher als jede Stichprobenkontrolle. Diese Nähe zum eigenen Weinberg ist im Moment einer der wirksamsten Schutzmechanismen überhaupt.
Was Sie als Weinliebhaber wissen sollten
Zwei Punkte vorweg, weil sie oft durcheinandergehen: Die Krankheit ist für Menschen völlig ungefährlich – sie betrifft ausschließlich die Pflanze. Und befallene Trauben landen nicht im Wein, weil sie schlicht nicht verwertbar sind. An der Qualität der Weine in Ihrem Glas ändert sich also nichts.
Spürbar wird das Thema an anderer Stelle: bei der Verfügbarkeit. Wenn ein kleiner Betrieb Rebflächen roden muss, sinken die Mengen – manche Weine werden seltener oder verschwinden für einige Jahre ganz. Wer einen bestimmten Wein besonders mag, tut gut daran, ihn nicht zu lange aufzuschieben. Das ist übrigens einer der Gründe, warum wir ältere Jahrgänge in unserem Weinarchiv behalten, solange Restbestände da sind.
Und ganz praktisch: Wer kleine, handwerkliche Betriebe kauft, unterstützt genau die Strukturen, für die solche Entwicklungen existenzbedrohend sein können. Unsere Winzer finden Sie im Überblick unter Wein aus Südtirol.
Häufige Fragen
Ist die Goldgelbe Vergilbung für Menschen gefährlich?
Nein. Der Erreger befällt ausschließlich die Rebe. Befallene Trauben werden zudem nicht zu Wein verarbeitet, da sie schrumpfen und bitter schmecken.
Wie wird die Krankheit übertragen?
Über die Amerikanische Rebzikade, die den Erreger von infizierten auf gesunde Rebstöcke überträgt. Eine Verbreitung über befallenes Pflanzmaterial wird ebenfalls untersucht.
Kann man befallene Reben heilen?
Nein. Es gibt keine Behandlung der erkrankten Pflanze. Wirksam sind nur die Bekämpfung des Überträgers und das konsequente Roden befallener Stöcke samt Wurzelstock.
Wird Südtiroler Wein dadurch teurer oder knapper?
Bei großen Mengen sind die Auswirkungen bislang begrenzt. Bei kleinen Betrieben kann der Verlust einzelner Parzellen aber dazu führen, dass bestimmte Weine in geringerer Menge oder vorübergehend gar nicht verfügbar sind.