Sieben neue Masters of Wine – und warum dieser Titel so selten ist

Es gibt weltweit mehr Menschen, die den Mount Everest bestiegen haben, als Menschen mit dem Titel Master of Wine. Am 21. August 2026 sind sieben dazugekommen – darunter erstmals je ein Vertreter aus Portugal und Ungarn.

Die Neuen

Das Institute of Masters of Wine (IMW) in London hat Alice Archer und Owain Hughes aus Großbritannien, Weiran Liu aus China, Gabriella Macari aus den USA und Jake Skakun aus Kanada ernannt. Dazu kommen Sue Tolson als erste Master of Wine aus Ungarn und Tiago Macena als erster Master of Wine aus Portugal.

Zusammen mit vier bereits im Februar Ernannten steigt die Zahl der neuen MW im Jahr 2026 auf elf – der größte Jahrgang seit 2021. Weltweit gibt es damit 427 Masters of Wine in 31 Ländern. Derzeit studieren 320 Personen aus 46 Ländern am Institut.

Roderick Smith MW, Vorsitzender des IMW, betont, der Titel stehe nicht nur für Wissen und Können, sondern ebenso für „Neugier, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen“.

Was ein Master of Wine eigentlich ist

Der Titel wird seit 1953 vom Institute of Masters of Wine in London vergeben und gilt als anspruchsvollste Qualifikation der Weinbranche überhaupt. Die Prüfung besteht aus drei Teilen:

  • Theorie: Weinbau, Kellertechnik, Handel, Recht, Marketing – die gesamte Weinwelt, nicht nur eine Region.
  • Praxis: Blindverkostungen über mehrere Tage, bei denen Herkunft, Rebsorte, Jahrgang und Machart allein am Glas bestimmt werden müssen.
  • Forschungsarbeit: eine eigenständige wissenschaftliche Abschlussarbeit.

Die Durchfallquoten sind hoch, viele Kandidaten brauchen Jahre. Genau das erklärt, warum in über sieben Jahrzehnten weltweit nur einige hundert Menschen den Titel erreicht haben.

Warum das auch für Weintrinker interessant ist

Ein Titel allein macht keinen Wein besser – und die meisten großen Winzer, die wir kennen, haben keinen. Bemerkenswert ist etwas anderes: Was die Prüfung tatsächlich abfragt, ist die Fähigkeit, einen Wein einzuordnen. Nicht „schmeckt mir“, sondern: Woher kommt er? Wie wurde er gemacht? Ist der Preis gerechtfertigt?

Das ist im Kern dieselbe Frage, die sich jeder stellt, der vor einem Weinregal steht. Und es ist die Aufgabe eines spezialisierten Händlers: nicht möglichst viele Etiketten anbieten, sondern wenige Erzeuger wirklich kennen – ihre Lagen, ihre Arbeitsweise, ihre guten und schwachen Jahrgänge.

Wie sehr sich das lohnt, zeigt sich beim Jahrgangsvergleich: Warum der Voglar von Peter Dipoli in einem kühlen Jahr anders schmeckt als in einem warmen, versteht man erst, wenn man Lage, Lese und Ausbau kennt. Genau solche Zusammenhänge sind der Stoff, aus dem MW-Prüfungen bestehen.

Die Weinwelt wird internationaler

Dass 2026 erstmals Portugal und Ungarn vertreten sind, ist mehr als eine Randnotiz. Beide Länder haben große Weinbautraditionen, sind aber international lange unterschätzt worden. Dass 320 Kandidaten aus 46 Ländern studieren, deutet auf eine Weinwelt hin, in der Expertise nicht mehr nur in den klassischen Zentren Frankreich und Großbritannien entsteht.

Für Regionen wie Südtirol – klein, hochwertig, international noch immer unter Wert gehandelt – ist das eine gute Nachricht.

Häufige Fragen

Was ist ein Master of Wine?

Die anspruchsvollste Qualifikation der Weinbranche, seit 1953 vom Institute of Masters of Wine in London vergeben. Sie umfasst eine Theorieprüfung, mehrtägige Blindverkostungen und eine eigene Forschungsarbeit.

Wie viele Masters of Wine gibt es?

Nach den Ernennungen vom August 2026 gibt es weltweit 427 Masters of Wine in 31 Ländern. Derzeit studieren 320 Kandidaten aus 46 Ländern am Institut.

Ist ein Master of Wine dasselbe wie ein Sommelier?

Nein. Sommeliers sind auf Service und Weinbegleitung in der Gastronomie spezialisiert. Der Master of Wine deckt die gesamte Weinwirtschaft ab – von Weinbau und Kellertechnik über Handel und Recht bis zum Marketing.

Braucht ein guter Winzer einen solchen Titel?

Nein. Die meisten herausragenden Winzer haben keinen. Der Titel qualifiziert nicht zum Weinmachen, sondern zum Einordnen, Bewerten und Vermitteln von Wein.

Quelle: wein.plus, 21. August 2026.

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