Weinkarte des Kürbishof in Altrei mit der Jahreszahl 1772, Südtirol – FNWNS

Preis für Südtiroler Weinkultur 2026 – und ein bemerkenswertes Kriterium

Es gibt einen Südtiroler Weinpreis, der nicht an Winzer geht. Der Preis für Südtiroler Weinkultur des Konsortiums Südtirol Wein zeichnet seit über zwanzig Jahren jene aus, die den Wein weitergeben – Gastbetriebe, in denen Weinkultur für Gäste erlebbar wird. Am 3. September 2026 wurde er auf Schloss Maretsch verliehen. Über einen der beiden Preisträger habe ich mich besonders gefreut – aus persönlichem Grund.

Ein Kriterium, das aufhorchen lässt

In diesem Jahr wurde ein Aspekt besonders stark gewichtet: die faire Preiskalkulation. Beide Preisträger werden ausdrücklich dafür gelobt, dass sie guten Wein zu vernünftigen Preisen ausschenken.

Das ist eine deutlichere Aussage, als es zunächst klingt. Wer je in einem Restaurant einen Wein entdeckt hat, den er zufällig vom Erzeugerpreis kennt, weiß, wie weit die Spanne zwischen Einkauf und Karte auseinandergehen kann. Ein Branchenverband, der Fairness beim Preis zum Auszeichnungskriterium macht, sagt damit etwas über die eigene Branche – und zwar Selbstkritisches.

Die Preisträger 2026

Kürbishof in Altrei

Altrei ist ein kleines Dorf im Südtiroler Unterland, weit weg von den bekannten Weinorten. Genau das macht die Auszeichnung interessant: Der Kürbishof von Angelika und Hartmann Varesco beweist laut Begründung, dass Südtiroler Weinkultur nicht nur dort lebt, wo Reben wachsen.

Gewürdigt werden das historische Gebäude mit seinen Stuben und dem gewölbten Weinkeller – und vor allem die Arbeit dahinter: Südtiroler Weine, die mit Sorgfalt ausgewählt, kompetent empfohlen und in einem stimmigen kulinarischen Zusammenhang serviert werden.

Ein Besuch im Jahr 2011

Den Kürbishof kenne ich selbst – und ich wäre nie dort gelandet, hätte mich nicht jemand hingeschickt, dessen Urteil in Südtirol Gewicht hat: Peter Dipoli. 2011 empfahl er mir das Haus, und ich bin hingefahren.

Altrei liegt auf gut 1.200 Metern, ein Stück oberhalb des Etschtals – nicht der Ort, an dem man eine ernsthafte Weinkarte vermutet. Genau das war der Punkt. Schon auf dem Einband der Karte steht die Jahreszahl 1772; das Haus trägt seine Geschichte nicht als Dekoration, sondern als Selbstverständlichkeit.

Dass dieser Betrieb fünfzehn Jahre später ausgezeichnet wird, überrascht mich nicht. Und es sagt einiges über Dipoli, dass er einen Besucher nicht in ein Sternerestaurant schickt, sondern in ein Wirtshaus auf 1.200 Metern.

Feltuner Hütte am Rittner Horn

Der zweite Preis geht in eine Höhe, in der man ihn nicht erwartet: Die Feltuner Hütte von Valentin und Julia Rabanser liegt auf über 2.000 Metern. Dort oben eine sorgfältig zusammengestellte Weinauswahl zu führen, die Südtirols Vielfalt abbildet, ist kein Selbstläufer – schon logistisch nicht.

Das Konsortium hebt hervor, dass die Weine den Gästen mit Kompetenz und Leidenschaft nähergebracht werden und so zu einem festen Bestandteil des Hüttenerlebnisses geworden sind. Wer Südtiroler Berghütten kennt, weiß: Der Normalfall ist eine kurze Karte mit dem, was der Lieferant gerade mitbringt.

Die Sonderpreise: zwei Kritiker

Die Sonderpreise gehen an Persönlichkeiten, die sich um den Südtiroler Wein verdient gemacht haben – 2026 an zwei italienische Weinkritiker, die die Region seit Jahrzehnten begleiten.

Gianni Fabrizio war jahrelang Ko-Kurator des Gambero-Rosso-Weinführers, einer der einflussreichsten Publikationen Italiens. Dario Cappelloni verkostete Südtiroler Weine zunächst ebenfalls für Gambero Rosso, später für DoctorWine. Konsortiumspräsident Andreas Kofler hebt bei beiden hervor, dass sie über die reine Verkostung hinausgehen und den Austausch mit Winzern und Kellermeistern suchen.

Sein Grundgedanke: Wein zu vermitteln heiße, über das Glas hinauszuschauen – auf Land, Geschichte, Kultur und die Menschen dahinter.

Warum uns dieser Preis gefällt

Weil er das Richtige belohnt. Ein guter Wein entsteht im Weinberg, aber er kommt beim Menschen erst an, wenn ihn jemand erklärt, richtig serviert und fair kalkuliert. Ein Wirt, der einem Gast auf 2.000 Metern einen Vernatsch so beschreibt, dass dieser ihn versteht, leistet für die Südtiroler Weinkultur genauso viel wie mancher Marketingetat.

Das ist im Kleinen auch unsere Aufgabe: nicht möglichst viele Etiketten führen, sondern wenige Erzeuger wirklich kennen und erklären können. Und gute Adressen weiterzugeben – so, wie Peter Dipoli es 2011 bei mir getan hat.

Wenn Sie ohnehin in Südtirol unterwegs sind: Unsere eigenen Adressen haben wir in den Restaurant-Tipps Südtirol gesammelt – die beiden Preisträger sind ab sofort ebenfalls einen Umweg wert.

Häufige Fragen

Was ist der Preis für Südtiroler Weinkultur?

Eine seit über zwanzig Jahren vergebene Auszeichnung des Konsortiums Südtirol Wein. Sie geht an Gastbetriebe, die Südtiroler Weinkultur erlebbar machen; ein Sonderpreis ehrt Persönlichkeiten, die sich um den Südtiroler Wein verdient gemacht haben.

Wer hat den Preis 2026 erhalten?

Der Kürbishof in Altrei und die Feltuner Hütte am Rittner Horn. Die Sonderpreise gingen an die italienischen Weinkritiker Dario Cappelloni und Gianni Fabrizio.

Wo liegt der Kürbishof?

In Altrei im Südtiroler Unterland, auf gut 1.200 Metern Höhe – abseits der klassischen Weinorte. Das historische Haus verfügt über Stuben und einen gewölbten Weinkeller.

Welche Rolle spielt der Preis der Weine?

2026 wurde die faire Preiskalkulation besonders stark gewichtet – beide Betriebe wurden ausdrücklich dafür ausgezeichnet, Weinkultur zu fairen Preisen zugänglich zu machen.

Quelle: Konsortium Südtirol Wein über Raiffeisen Nachrichten, 4. September 2026.

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