Meran im Herbst ist eine eigene Angelegenheit. Während das Etschtal noch mediterran wirkt, liegt über den Hängen schon die klare Herbstluft. Palmen und Kastanienwälder in Sichtweite – das gibt es so nirgends sonst. Und weil einer unserer Winzer direkt vor den Toren der Stadt sitzt, ist diese Ecke Südtirols für uns mehr als eine Postkarte.
Warum das Klima so ungewöhnlich ist
Meran liegt in einem Talkessel, der nach Süden hin offen und nach Norden von den Alpen abgeschirmt ist. Das Ergebnis ist ein auflällig mildes Klima: Der Herbst zieht sich hier deutlich länger als anderswo im Alpenraum, oft bis weit in den November.
Für Reben bedeutet das eine lange, ruhige Reifephase im Spätherbst – genau die Bedingungen, unter denen Weine Aroma entwickeln, ohne schwer zu werden.
Die Waalwege – Wandern ohne Anstrengung
Wer im Herbst rund um Meran unterwegs ist, sollte die Waalwege kennen. Waale sind jahrhundertealte Bewässerungskanäle, die das Wasser aus den Seitentälern zu den Obst- und Weingütern leiten. Weil Wasser nur mit minimalem Gefälle fließt, verlaufen die Begleitwege fast eben – man wandert stundenlang auf Höhe, mit Blick ins Tal, ohne nennenswerten Anstieg.
Der bekannteste ist der Algunder Waalweg, der Marlinger Waalweg gilt mit rund zwölf Kilometern als der längste Südtirols. Er führt genau durch die Weinberge oberhalb von Marling – dort, wo die Trauben für die Weine wachsen, die wir führen.
Der Wein dazu: Meraner
Die Appellation heißt Meraner (italienisch Meranese) und ist eine der leisesten Südtirols. Es ist ein Vernatsch – hell in der Farbe, leicht im Körper, mit Kirsch- und Mandelnoten und wenig Tannin. Ein Wein, der nichts beweisen will.
Genau das macht ihn zum idealen Herbstwein: kühl serviert passt er zu Speck und Käse ebenso wie zu Kastanien und Herbstgemüse, ohne die Speisen zu übertönen. Vom Weingut Pardellerhof in Marling führen wir ihn in mehreren Jahrgängen – aktuell etwa den Meraner 2023.
Wer es etwas kräftiger mag, findet dort auch den Mitterberg Rosé aus Lagrein und Merlot oder den Part des Anges Brut als Aperitif nach der Wanderung.
Was sich im Herbst zeitlich anbietet
Ende September bis November: Törggele-Zeit – neuer Wein, Kastanien, deftige Küche in den Buschenschänken.
6. bis 10. November 2026: das Merano WineFestival, eine der angesehensten Weinveranstaltungen Italiens. Die Teilnahme der Erzeuger ist kuratiert, nicht buchbar – entsprechend hoch ist das Niveau.
Ab Ende November: der Meraner Weihnachtsmarkt an der Kurpromenade. Wer den Herbst verlängern will, findet auch rund um den Kalterer See Angebote bis in den Winter.
Praktisches
Meran erreicht man mit dem Auto über den Brenner und die MeBo-Schnellstraße ab Bozen. Unsere Stopps für die Anfahrt haben wir in den Reisetipps für die Fahrt in den Süden als Karten zum Mitnehmen gesammelt – dort finden Sie auch unsere Restaurant-Tipps für Südtirol.
Ein Rat aus Erfahrung: Die Waalwege sind an sonnigen Oktoberwochenenden gut besucht. Unter der Woche und am Vormittag hat man sie fast für sich.
Häufige Fragen
Was ist ein Waalweg?
Ein Wanderweg entlang eines historischen Bewässerungskanals. Weil diese Kanäle nur ein minimales Gefälle haben, verlaufen die Wege nahezu eben – ideal für entspanntes Wandern auf Höhe.
Welcher Wein kommt aus der Gegend um Meran?
Der Meraner (Meranese), ein leichter Vernatsch mit heller Farbe, Kirsch- und Mandelnoten und wenig Tannin. Angebaut wird er an den Hängen rund um Meran, etwa in Marling.
Wann ist die beste Zeit für Meran im Herbst?
Von Ende September bis Anfang November. Dank des milden Talkessel-Klimas bleibt es hier länger warm als anderswo im Alpenraum.
Wann findet das Merano WineFestival 2026 statt?
Vom 6. bis 10. November 2026 in Meran.