Italien startet in diesem Jahr früher in die Weinlese als üblich. Die anhaltende Hitze hat die Reifung der Trauben beschleunigt – von Sizilien bis hinauf nach Südtirol. Branchenvertreter rechnen dennoch mit einem qualitativ guten Jahrgang 2026, sofern das Wetter günstig bleibt. Was bedeutet das für die Weine, die später in Ihrem Glas landen?
Warum eine frühe Lese kein schlechtes Zeichen ist
Ein vorgezogener Erntebeginn klingt zunächst nach Stress – und für die Winzer ist er das auch. Er sagt aber nichts über die Qualität aus. Entscheidend ist nicht wann gelesen wird, sondern in welchem Zustand die Trauben in den Keller kommen: mit ausgewogener Säure, reifen Kernen und gesunden Schalen.
Heiße Jahre bringen tendenziell mehr Zucker und damit mehr Alkohol, während die Säure sinkt. Genau hier liegt die Kunst: rechtzeitig lesen, bevor die Frische verloren geht. Wer zu lange wartet, bekommt schwere, breite Weine – wer den richtigen Moment trifft, gewinnt Konzentration ohne Wucht.
Der Höhenvorteil Südtirols
Südtirol hat in heißen Jahren einen strukturellen Vorteil, der oft unterschätzt wird: die Höhe. Die Weinberge unserer Winzer liegen zwischen rund 300 und 500 Metern, teils darüber – und mit jedem Höhenmeter sinkt die Temperatur. Vor allem aber sind die Nächte hier deutlich kühler als in der Po-Ebene oder im Süden.
Dieser Tag-Nacht-Unterschied ist der eigentliche Schlüssel: Tagsüber reifen Zucker und Aromen, nachts bleibt die Säure erhalten. Deshalb behalten Südtiroler Weine auch in warmen Jahren ihre Spannung – etwa der Sauvignon Blanc von Peter Dipoli aus der Höhenlage Voglar oder der Terlaner vom Weingut Kiemberger.
Wann in Südtirol gelesen wird
Die Lese läuft hier gestaffelt über viele Wochen. Den Anfang machen die frühen Sorten in den tieferen Lagen des Unterlands und Überetsch – Grundweine für Schaumwein, Pinot Grigio, Chardonnay. Danach folgen die Tallagen um Bozen und im Etschtal, wo unter anderem der Vernatsch für St. Magdalener und Kalterersee gelesen wird. Zum Schluss, oft bis in den Oktober hinein, kommen die Höhenlagen und die spät reifenden Rotweinsorten wie Lagrein an die Reihe.
Bei kleinen Betrieben wie unseren wird nach wie vor größtenteils von Hand gelesen – oft in mehreren Durchgängen durch denselben Weinberg, um jede Parzelle im richtigen Moment zu erwischen. Genau das ist der Vorteil kleiner Mengen: Man kann warten, statt nach Kalender zu ernten.
Was Sie als Weinliebhaber davon haben
Bis die Weine des Jahrgangs 2026 im Handel sind, dauert es: Weißweine erscheinen typischerweise im Frühjahr, Rotweine und Riserva-Qualitäten oft erst ein bis drei Jahre später. Was Sie heute bei uns im Glas haben, stammt aus den Jahrgängen davor – und die sind bereits im Keller gereift.
Ein Gedanke am Rande: Gerade in Jahren, in denen viel über Hitze und Klimawandel gesprochen wird, lohnt der Blick zurück. In unserem Weinarchiv finden Sie ältere Jahrgänge, an denen sich der Unterschied zwischen kühleren und wärmeren Jahren direkt nachschmecken lässt – zum Beispiel im Vergleich zweier Jahrgänge desselben Weins.
Häufige Fragen
Bedeutet eine frühe Weinlese schlechtere Qualität?
Nein. Der Erntezeitpunkt allein sagt nichts über die Qualität. Entscheidend ist, ob die Trauben mit ausgewogener Säure und reifen Aromen gelesen werden – in heißen Jahren bedeutet das schlicht, früher zu lesen.
Wann beginnt in Südtirol die Weinlese?
Meist ab Ende August in den tiefsten Lagen mit frühen Weißweinsorten; sie zieht sich gestaffelt bis in den Oktober, wenn die späten Rotweinsorten und Höhenlagen an der Reihe sind.
Warum kommt Südtirol mit Hitze besser zurecht?
Wegen der Höhenlage und der kühlen Nächte. Der große Tag-Nacht-Temperaturunterschied erhält die Säure und damit die Frische der Weine, während die Trauben tagsüber ausreifen.
Wann kann ich Weine des Jahrgangs 2026 kaufen?
Weißweine in der Regel ab dem Frühjahr des Folgejahres, Rotweine später – Riserva-Qualitäten teils erst nach zwei bis drei Jahren Reife im Keller.